Magdeburger Biotechnologen kooperieren mit der Innocent Meat GmbH für eine nachhaltige Lebensmittelherstellung

10.04.2026 -

Effizientere Prozesse mit höherer Produktausbeute von kultiviertem Fleisch

In einem Forschungsprojekt des Max-Planck-Instituts für Dynamik komplexer technischer Systeme in Magdeburg mit dem Rostocker Start-up-Unternehmen Innocent Meat GmbH haben Expertinnen und Experten für Zellkulturtechnologie ihre Expertise zur Prozessentwicklung eingebracht.

Es soll eine nachhaltige und bezahlbare Alternative zu herkömmlichem Fleisch angeboten werden – kultiviertes Fleisch. Dazu müssen die bereits bestehenden Prozesse aus der Pharma- und Lebensmittelindustrie umstrukturiert werden. Die Optimierung der Zellen, Medien und Kultivierungsmethoden sollte hierbei Hand in Hand gehen. Das Start-up zielt darauf ab, ein automatisiertes End-to-End-Produktionssystem und Verfahren zu entwickeln. Das soll für eine intensivierte nachhaltige Produktion vor Ort in der fleischverarbeitenden Industrie sorgen und den Lebensmittelherstellern den Weg zu einer zellbasierten Fleischproduktion ebnen.

Die Entwicklung spezieller biotechnologischer Bausteine ist die Grundlage für die Skalierung auf den industriellen Fertigungsmaßstab des kultivierten Fleisches. Damit dies gelingt, haben Teamleiterin apl. Prof. Yvonne Genzel und M.Sc. Jan Küchler die Forschung in dem Kooperationsprojekt „Zelluläre Landwirtschaft und Prozessintensivierung" aufgenommen. Der Erfahrungsschatz des Magdeburger Wissenschaftsteams zur Prozessintensivierung mit verschiedenen kontinuierlichen Zellen und verschiedenen Zellrückhaltesystemen wird in das Projekt miteingebracht.

Das Fachwissen zur Kultivierung der Zellen kommt von Innocent Meat, ebenso wie die Etablierung der ersten Prozessentwicklungen und Medien. Zunächst werden diese Prozesse, Zellen und Medien vom Magdeburger Team übernommen und dann in den Reaktoren und Zellrückhaltesystemen am Max-Planck-Institut verwendet. Ziel ist es, Vergleiche und Optimierungen für den Prozess zu erarbeiten und damit so viele Zellen wie möglich in hoher Konzentration herzustellen.

Auf diesem Gebiet, speziell der Hochzelldichte-Kultivierung mittels Perfusion zur Ertragsoptimierung, haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Forschungsgruppe Bioprozesstechnik (Leitung Prof. Dr.-Ing. Udo Reichl) bereits langjährige Erfahrung aufgebaut und diese stetig weiterentwickelt. Insbesondere für virale Impfstoffe konnten sie bei der Hochskalierung der Virusausbeute für die Herstellung von Impfstoffen weltweit beachtete Erfolge erzielen.

Die Gruppe möchte ihre Prozesskenntnisse aus dem neuen Projekt auch auf andere Anwendungen übertragen und Erfahrungen mit anderen Zellen, Produkten und weiteren Biotechnologie-Bereichen sammeln. Diese können bei zukünftigen Fragestellungen genutzt werden und einen Beitrag zu nachhaltigeren Prozessen leisten.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) über das spezielle Förderprogramm Industrielle Bioökonomie, Baustein A für die Zusammenarbeit von Industriepartnern und Forschungseinrichtungen, gefördert. Das Max-Planck-Institut Magdeburg erhält davon eine Projektförderung über zwei Jahre von etwa 285.000 Euro.

Zur offiziellen Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts Magdeburg

Letzte Änderung: 10.04.2026 -
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