Maßgeschneiderte Moleküle gegen tödliche Lungeninfektionen
Durch die Zusammenarbeit von Chemikern der Universität Magdeburg und Molekularmedizinern des Universitätsklinikums Jena wurde ein neuer Therapieansatz gegen lebensbedrohliche Lungeninfektionen entwickelt. In diesem Forschungsansatz werden krankheitserregende Bakterien oder Pilze nicht allein mit klassischen Antibiotika behandelt. Stattdessen wird gezielt deren gefährlichstes Werkzeug ausgeschaltet: Zellgifte, welche die Lungenzellen zerstören und es den Mikroorganismen erst ermöglichen, sich im Körper auszubreiten.
Gemeinsam mit den Partnern aus Jena konnte das Forschungsteam um CDS-Mitglied Prof. Dieter Schinzer (Institut für Chemie, OVGU) zeigen, dass synthetisch veränderte Sterole – cholesterinähnliche Bestandteile der Zellmembran – diese Gifte abfangen und deaktivieren können, bevor sie das Gewebe schädigen. Zeitgleich werden die körpereigenen Zellen widerstandsfähiger und die Zellmembran wird stabilisiert.
Das interdisziplinäre Team verfolgte dabei eine sogenannte pathoblockierende Strategie: Statt die Erreger direkt abzutöten, wird deren Zellgift Pneumolysin unschädlich gemacht. „Dieses Toxin wirkt wie ein molekularer Bohrer", erklärt Prof. Schinzer. „Es bindet an das Cholesterin in den Zellmembranen, stanzt Poren hinein und zerstört so die Zellen. Die Folgen sind schwere Gewebeverletzungen und eine gestörte Immunantwort, die oft in eine tödliche Sepsis übergehen."
Die Forscher gehen davon aus, dass durch diesen Ansatz künftig invasive Lungeninfektionen gezielt abgeschwächt werden können. So ließen sich intensivmedizinische Behandlungsergebnisse verbessern und das Gesundheitssystem entlasten, während die Wirksamkeit konventioneller Antibiotika erhalten bleibt.
